Partnerschaftsjubiläen 2019

Bericht zu den Feierlichkeiten der Partnerschaftsjubiläen Ende Mai 2019 in Reichelsheim/Odw.

Ab dem 22.05.2019 trafen sich die europäisch denkenden Delegationen von Dol de Bretagne (Frankreich), Jablonka (Polen) und Nagymaniok (Ungarn) zur großen Verschwisterungsfeier in ihrer gemeinsamen Partnergemeinde Reichelsheim im Odenwald. 25 Jahre Verbindung mit Frankreich und je 10 Jahre mit Polen und Ungarn – beachtliche Daten für eine Jubiläumsfeier!

Die Delegationen aus dem Osten trafen am Nachmittag mit Bussen ein. Sie wurden von Georg Schnellbächer und Gerd Lode zunächst mit dem alten Ortskern von Reichelsheim bekannt gemacht und über Geocaching auch mit der näheren Umgebung. Unterwegs waren etwa 40 Personen aus jeder Nation: die Bürgermeister und viele interessierte polnische und ungarische Gäste.

Nach 17 Uhr erreichte dann auch der Bus aus Dol de Bretagne die Gersprenztalgemeinde, die Gäste betraten den deutschen Boden unter den Klängen der Bagad an Haternoz, Dudelsack, Flöte und Pauke ertönten.

Der Empfang für alle europäischen Gäste fand im Europäischen Jugendzentrum der OJC im Schmidtsbauernhof in der Bismarckstraße statt. Eine Gruppe von syrischen und afghanischen Familien war geladen, beispielgebend für Integration und die Flüchtlingspolitik der Europäischen Union im ländlichen Raum. Es gab einen Diavortrag von Frau Annemarie Knichel über die Integrationsarbeit mit Flüchtlingen und ihre Zielsetzung. Bürgermeister Stefan Lopinsky und Landrat Frank Matiaske empfingen die Gäste und Reichelsheimer*innen mit Vorträgen gegen die weit verbreitete Europaskepsis und abschließend einem Willkommenssekt. Das Abendessen wurde in den Gastfamilien eingenommen.

Der 23.05. begann früh, um 9 Uhr eröffneten die vier beteiligten Bürgermeister eine Kunst-Ausstellung im Alten Rathaus. Künstler*innen aus Dol de Bretagne, Jablonka, Nagymaniok und der Gastgebergemeinde Reichelsheim hatten einige ihrer Werke zur Verfügung gestellt, um einen Einblick zu geben in die regionaltypische Kunst der vier Nationen. Dann folgte direkt um 10 Uhr eine internationale Diskussion und Konferenz über die Osterweiterung der EU (Bürger Polens und Ungarns kommen nach Deutschland, Bilanz, Sicht der Visegràd-Staaten, die Chance dieser Menschen und die wirtschaftliche Notwendigkeit in den Westen zu gehen, die Auswirkungen auf die Heimatstaaten). Referenten waren M. Reuter, Kreistagsabgeordneter und Referent für Europa, Herr Karlak aus Jablonka und H. Heinzmann von der IHK. Interessant war unter anderem die Information, dass viele gute Handwerker*innen nach Deutschland abwandern und dann in ihrer Nation eine Lücke hinterlassen.

Gleichzeitig trafen sich Schüler*innen der Georg-August-Zinn-Schule (GAZ) und junge Pol*innen um 10 Uhr zu einem Forum: Welche Chancen bietet mir Europa, wie sehen junge Menschen Europa? Die polnische Gruppe war zuerst etwas zurückhaltend – die Möglichkeiten, die die beiden Damen von “Europe direct” aufzeigten werden sie wohl erst zu Hause weiter verfolgen können. Die Klasse 10c der GAZ berichtete dann von ihren verschiedenen Austauschaufenthalten in den Partnerschulen in Europa. Aufgetaut sind die polnischen Schüler*innen als die deutschen Schüler*innen ihnen am Tisch gegenübersaßen und ganz normale Fragen stellten: Fragen zur Familie, zu Sportarten, zu Haustieren, zu Hobbies und zum Handy. Schade, dass die Klingel die GAZ-Schüler*innen dann zum neuen Unterricht rief! Es war sehr schön zu sehen, wie schnell und gut junge Menschen miteinander Kontakt finden können, eine absolute Chance für Europa!

Ab 15 Uhr wurden drei Möglichkeiten angeboten: 1. Arbeiten in Europa auf internationaler Ebene- Besuch bei Firma Haroplast, Kunststofferzeugnisse, 2. Besuch im Kindergarten “Zwergenschloß”, Aufgaben und Strukturen mit Kleinkindern aus verschiedenen Nationen, 3. Wanderung zur “Röder Hütte“ wobei die gesamte französische Delegation den Zwischenstopp an der “Pfeifer Buche” einlegte. Die 1943 in den Stamm der Buche geritzten Initialen zeugen von der tiefen Freundschaft des französischen Kriegsgefangenen Louis Clouet und dem 16jährigen Sohn der Familie Pfeifer, Friedrich. Die beiden verband eine echte Jungenfreundschaft, und aus dieser Verbindung entstand dann durch die Tochter Louis’ der Schüleraustausch der GAZ mit dem Collège Paul Féval in Dol de Bretagne. Zur Erinnerung an dieses so schöne und wichtige Geschehnis wurde eine Plakette an der Buche angebracht, mit den deutschen und französischen Flaggenbändern. Die Klänge des bretonischen Dudelsacks unterstrichen das Ereignis, anschließend gab es Kaffee und Kuchen im Regionalvermarkterhof der Familie Röder, beispielgebend für die Möglichkeiten der Landwirte in der Region.

Der Freitag-Abend vor und in der Reichenberghalle gehörte eigentlich der Gesamtbevölkerung von Reichelsheim, und er wurde auch angenommen – leider zu wenig! Dr. Michael Gahler MdEP und Jens Zimmermann MdB nutzten den Abend für die bevorstehende Europawahl, und sie standen absolut für ein engeres Europa. „Khalitos“ und Würste sowie diverse Getränke sorgten für gute Stimmung.

Am Samstag war ab 9 Uhr der große Ausflug nach Frankfurt angesagt. Zwei Busse der Gäste aus Frankreich und Polen standen zur Verfügung. Wichtig waren der ungarische Trompeter, der die Gruppe zusammenhalten würde und Frau Diefenbach als Guide. Die Innenstadt von Frankfurt hatte dem bedeutenden Frankfurter Flughafen den Rang abgelaufen. Großen Anklang fand die wiederhergerichtete „Neue Altstadt“, die Waage, der Metzgerladen und vieles mehr. Durch Verzögerungen im gebuchten Lokal kam die Gruppe leider erst sehr spät wieder in Reichelsheim an.

Am gleichen Tag vormittags hatten sich die Bürgermeister und Verschwisterungs-Vorstände der vier Vereine im Lokal “Zum Schwanen“ getroffen. Die Zukunft der verschiedenen Verschwisterungsvereine war oberstes Thema. Man kam überein, einen Fonds zu gründen, der finanzielle Mittel bereitstellen würde, damit wäre eine finanzielle Basis gegeben für weitere Verschwisterungsverbindungen. Wie diese Grundlage in den verschiedenen Gemeinden zustande kommen kann wurde erst einmal den einzelnen Kommunen überlassen und auf das Jahresende verschoben.

Im Anschluss an die Sitzung fuhren die vier Bürgermeister mit dem übriggebliebenen Bus zu einer Traktorfahrt durch den Odenwald.

Der Festabend an diesem Samstag war das absolute Highlight und das Gipfeltreffen dieser Verschwisterungsfeier. Alle Gäste aus den 4 Nationen und ihre Reichelsheimer Gasteltern waren geladen, zusammen mit sehr vielen politischen Ehrengästen. Der Präsident den Ortsparlaments und oberste Parlamentarier Jürgen Göttmann moderierte den Abend, die jeweiligen Reden waren in alle vertretenen Sprachen übersetzt, wie auch bei den jeweiligen Zusammenkünften. Der Posaunenchor Reichelsheim hatte sich bereit erklärt, jede Nation mit ihrer Nationalhymne zu empfangen, jeweils im Anschluss bestätigten dann die 4 Bürgermeister in ihren verschiedenen Ansprachen ihren Glauben an die europäische Union, an das gemeinsame Europa und im Anschluss gaben Musikgruppen aus Frankreich, Polen und Ungarn ihre musikalischen, nationalen Zugaben.

Die Festansprache von Patricia Lips, Mitglied des Bundestags, war ein besonders kraftvolles und mitreißendes Glaubensbekenntnis zur EU.

Endlich, gegen 20.30, wurde das Büffet eröffnet, eine vielfältige Auswahl bewusst deutscher Gerichte war angeboten, die Gäste griffen gerne und feste zu. Der restliche Abend wurde dann gestaltet von den 3 Musikgruppen der Gastländer, die in bunter Reihenfolge ihre Melodien und Stücke vortrugen, die ungarischen waren sehr deutsch-geprägt, die französischen eher keltisch-bretonisch, es fand sich aber eine beträchtliche Menge der verschiedensten Gäste bereit bei den bretonischen Reihentänzen mitzumachen, auch wenn die Schrittfolge nicht immer exakt stimmte.

Den Dankeszeilen unserer französischen Gäste zufolge fanden sie den Aufenthalt sehr gelungen, auch wenn sie vor einem halben Jahr noch große Bedenken wegen der hohen Anforderungen hatten, die Brüssel für einen finanziellen Zuschuss zu einem solchen Treffen stellt. Den brauchten die drei Verschwisterungsvereine jedoch unbedingt. Sie, liebe Leser, und wir sind alle geladen zur Feier des 25. Jubiläum 2020 in Dol de Bretagne. Fahren Sie mit, ich bin sicher, Sie werden es nicht bereuen. Unsere Freunde in Dol de Bretagne sind immer tolle Gastgeber!

Herzlichst,

Elke Knell, 1. Vorsitzende